Beugesehnen-Verletzung,  Beugesehnen-Durchtrennung

Operative Behandlung der Beugesehnenverletzung

Was macht eine Beugesehnenverletzung so kompliziert?

Eine Vielzahl von Begleitumständen macht die Beugesehnenverletzung so problematisch:
Zum einen liegen Beugesehnenverletzung im Unterarm und Handbereich, in der Nachbarschaft wichtiger Nerven und Gefäße, die nicht selten mit verletzt sind.

Beugesehnen und Nerven der Hand Der blaue Pfeil in das Abb. links zeigt auf die Beugesehnen des Mittelfingers.

Die gelb dargestellten Strukturen sin die Nervenbahnen der Hand die sehr nahe den Beugesehnen verlaufen. Diese enge Nachbarschaft erklärt, warum bei einer Beugesehnenverletzung häufig auch Nerven (und Gefäße) mit verletzt sind

Was geschieht unmittelbar im Bereich der Beugesehnen unmittelbar nach dem Unfall?

Bei Durchtrennung der Beugesehnen, gleichgültig ob am Finger oder im Bereich der Hand, kommt es meist dazu, dass die Sehnenenden unmittelbar nach dem Unfall weit auseinanderweichen. Der operativ tätige Arzt ist oft gezwungen, die primäre Wunde sowohl in Richtung der Fingerspitze als auch in Richtung Unterarm zu verlängern, um die Sehnenenden zu finden.

Was versteht man unter dem Begriff  "Niemandsland“ im Zusammenhang mit der Beugesehnenchirurgie ?

Beugesehnenkanal im Bereich der Finger Der rote Pfeil in der Abb. links zeigt den Beginn eines engen Kanalsystems im Fingerbereich.

In diesem engen Kanalsystem ist eine Rekonstruktion der Beugesehen besonders schwierig

Einer der Begründer der Handchirurgie (Sterling Bunnel) hatte daher die Regel aufgestellt, dass in diesem Bereich eine primäre Versorgung der Beugesehnen nicht durchgeführt werden sollte. Bunnel empfahl in diesem „Niemandsland“ erst sechs Wochen nach der Verletzung eine Sehnentransplantation durchzuführen. Daher stammt das Wort „Niemandsland“.

Die heutige moderne Handchirurgie hat jedoch ein anderes Nachsorgesystem als es zur Zeit Bunnels gültig war. Daher können heute auch Beugesehnenverletzungen in diesem Bereich kurz nach dem Unfall bereits versorgt werden.

Müssen Beugesehnenverletzungen immer operiert werden? 

Die überwiegende Zahl aller Beugesehnenverletzungen muss operativ behandelt werden. Unterbleibt die Behandlung, so resultiert in aller Regel ein sehr substanzieller Funktionsverlust. Sind beide Beugesehnen durchtrennt, so kann ein Finger nicht mehr gebeugt werden.

Durchtrennung beider Beugesehnen (Bild im Op) Die Aufnahme links zeigt, das infolge der Durchtrennung beider Daumenbeugesehnen der Mittelfinger nicht gebeugt werden kann.

Dies ist ein sehr überzeugendes Argument für eine operative Behandlung mit Naht der Sehnenenden.

Es gibt einige wenige Situationen bei denen der Arzt gemeinsam mit dem Betroffenen abwägen kann. So kann beispielsweise die isolierte Durchtrennung der oberflächlichen Beugesehne in einem der engen Kanäle einen erheblichen Aufwand bei der operativen Versorgung bedeuten. Hier ist auf der anderen Seite der Funktionsverlust relativ gering. Dies wäre eine Situation, bei der eine Abwägung gemeinsam mit dem Betroffenen möglich ist.

Muss die durchtrennte Beugesehne sofort nach dem Unfall versorgt werden?

Ideal ist sicherlich die operative Versorgung innerhalb der ersten sechs bis acht Stunden. Wie bereits erwähnt ist die operative Versorgung der Beugesehnendurchtrennung keine kleine Operation. Ein erfahrenes Team sollte die Versorgung durchführen. Steht ein solches Team nicht innerhalb der ersten sechs bis acht Stunden zur Verfügung, so ist es besser, die Wunde durch einfache Nähte zu verschließen und einige Tage später unter gut geplanten Bedingungen die Operation durchzuführen.

Eine etwas verzögert durchgeführte Operation unter idealen organisatorischen Bedingungen mit einem erfahrenen und ausgeruhten Ärzteteam ist sicherlich besser als eine Notoperation durch weniger qualifizierte Ärzte.

Was geschieht bei einer Operation der Beugesehnen?

Hier können prinzipiell zwei Schritte unterschieden werden:

1. Aufsuchen der Sehnenenden (hierzu muss meist die unfallbedingte Schnittwunde in beide Richtungen verlängert werden)

2. Naht der beider durchtrennter Sehnen  (Im Idealfall werden für einen Finger beide Sehnen genäht)

Naht einer Beugesehne (Op-Bild) Der blaue Pfeil in der Abb. links zeigt eine solche Sehnennaht kurz vor der Fertigstellung

Der behandelnde Chirurg hat mir gesagt, dass nur eine Sehne genäht wurde. Was hat das zu bedeuten?

Im Idealfall werden für einen Finger beide Sehnen genäht. Dies ist jedoch besonders im Bereich der Innenkanalsysteme im Finger nicht immer möglich. Durch die Nahtstelle wird die Sehne etwas dicker. Hierdurch kann es zu einem behinderten Gleiten in dem engen Kanalsystem kommen.
Um diesem Problem aus dem Wege zu gehen, kann es sinnvoll sein, nur die tiefe Beugesehne zu rekonstruieren. Die tiefe Beugesehne vermag den ganzen Finger zu beugen und ist auch der Hauptkraftspender bei der späteren kraftvollen Beugung.

Unter dieser Abwägung kann es sehr sinnvoll sein, nur eine Sehne zu rekonstruieren, wenn die Rekonstruktion der zweiten Sehne zu einem behinderten Gleiten und damit zu einer schlechten Beweglichkeit führen würde.

 

Diese Informationsschrift soll und kann nicht das Gespräch mit dem Arzt ersetzen. Wir möchten zu Ihrer vertiefenden Information, die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema "Beugesehnen-Verletzung, Beugesehnen-Schaden" hier erläutern. Eine individuelle Therapieplanung kann nur nach ärztlicher Untersuchung erfolgen!

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