Schmerzen   Nervenschmerz  Brennschmerz 

 

Der neuropathische Schmerz:

Brennschmerz nach Nervenschädigung

Eigentlich war es "nur" ein Speichenbruch (Radiusfraktur), der mit einem Kirschnerdraht stabilisiert wurde. Der Kirschnerdraht wurde an der Stelle des roten Pfeiles durch die Haut in die Speiche gebohrt.

Hierbei wurde ein kleiner Hautnerv geschädigt. Die Folge: heftige Brennschmerzen im Versorgungsgebiet des Nerven.  (schraffiert gezeichnet)

Der Speichenbruch ist zwischenzeitlich längst "vergessen". Die Kirschnerdrähte sind entfernt. Der quälende Brennschmerz ist geblieben!

Dies ist nur ein Beispiel von vielen für einen neuropathischen Schmerz (Nervenschmerz):

Was versteht man unter neuropathischem Schmerz?

Den Unterschied zwischen normalem Schmerz und neuropathischem Schmerz wird an folgenden Beispielen verdeutlicht:

Ein jeder von uns hat schon erlebt, dass er sich in den Finger schneidet oder mit den Fingern an einen heißen Gegenstand kommt.
Unmittelbar nach der Verletzung setzt ein heftiger Schmerz ein, der uns beispielsweise die Hand reflexartig von der heißen Herdplatte zurückziehen lässt.

Spätestens wenn der Schmerz nachlässt ist einem jeden von uns sofort verständlich, dass der erlittene Schmerz sinnvoll war.

Er hat dazu geführt, dass die Hand schnell aus der Gefahrenzone weggezogen wurde und weitere Schäden an der Gliedmaße vermieden wurde.

Der normale Schmerz dient also dem Erhalt der Funktion einer Gliedmaße und letzt endlich dem Überleben.

Der normale Schmerz - und die Erinnerung an den Schmerz - wirkt langfristig  wie eine Brücke die uns gefährliche Situationen umgehen lässt


 

 

 

Nervenverletzung und neuropathischer Schmerz:

Nun ein Beispiel für den neuropathischen Schmerz:

Eine vormals gesunde 25-jährige Frau wird an einer Sehnenerkrankung am Handgelenk (de Quervain’sche Krankheit) operativ behandelt.

Nerv am 1. Streckerfach

Bei dieser an sich recht kleinen Operation kommt es zur versehentlichen Schädigung eines hier verlaufenden Hautnerven. Der hierbei geschädigte Hautnerv hat nicht einmal die Dicke einer Bleistiftmine. Nach der Operation entwickeln sich heftige Schmerzen, nicht nur im Operationsgebiet.

Der gesamte streckseitige Unterarmbereich und besonders auch streckseitig des Daumens und des Zeigefingers wird ein brennender Schmerz empfunden.

Selbst leichte Berührungen lösen in diesem Bereich einen Schmerz aus (Alodynie).

Der Unterschied in den beiden genannten Beispielen ist sofort offen kundig:
Im ersten – schon bei jedem von uns erlebten Fall – ist der Schmerz sinnvoll und dient letztendlich der Erhaltung der Funktionstüchtigkeit der Extremität und letztendlich des Lebens.

In dem zweiten Beispiel ist ein biologischer Sinn in dem heftigen Schmerz nicht zu erkennen. Er ist zweifelsfrei für die betroffene Extremität kontraproduktiv.
 
Schmerzen dieser Art werden unter dem Oberbegriff neuropathische Schmerzen zusammengefasst.

Gibt es noch weitere Unterschiede zwischen dem normalen Schmerz und dem neuropathischen Schmerz?

Ja, der jedem bekannte normale Schmerz hat eine zumindest im Anfangsstadium klar zu lokalisierende Schmerzzone. Neuropathische Schmerzen hingegen werden oft als Brennschmerz elektrisierender Schmerz oder auch als Phantomschmerz angegeben.

Ist denn für das Zustandekommen eines neuropathischen Schmerzes eine Schädigung eines Nerven notwendig?

Vielfältig ist dies so, die meisten neuropathischen Schmerzen entstehen durch Schäden an einem schmerzleitenden Nerven.
Dabei kann diese Schädigung durch eine Verletzung zustande kommen. Sie kann durch eine Entzündung oder auch durch eine Stoffwechselveränderung zustande kommen (z. B. einen Diabetes mellitus).

Sehr viel seltener sind auch zentrale neuropathische Schmerzen wie sie beispielsweise im Zusammenhang mit einer Querschnittslähmung oder auch nach einem Hirninfarkt auftreten können.

Welche unterschiedlichen Typen des neuropathischen Schmerzes gibt es: 

Für die operative Behandlung sind besonders drei neuropathische Schmerzarten bedeutsam.
Es sind dies
 
a) der Neuromschmerz (Schmerzen an einem Nervenknoten nach einer Nervendurchtrennung)
 
b) der Phantomschmerz (Schmerzen in einer nicht mehr vorhanden Gliedmaße)

c) der Schmerz bei Polyneuropathie